Wieso spitzen sich Konflikte am Arbeitsplatz zu?

Ich werde als Mediatorin und Coach oft in Unternehmen gerufen, wenn sich Konflikte schon sehr zugespitzt haben und Führungskräfte oft keinen Ausweg sehen. Der Blick einer neutralen, außerbetrieblichen Person, auf eine Konfliktsituation ist aus meiner Sicht, sehr wichtig und gut, um Verstrickungen, Machtspiele und alte, nicht abgeschlossene Themen sichtbar zu machen. Konflikte spitzen sich deswegen zu, weil der Konfliktprozess als störend, unangenehm oder lästig empfunden wird. Stellt sich eine Führungskraft den Konflikten im Team, entsteht Klarheit und eine gute Zusammenarbeit. Möchte die Führungskraft mit Konflikten im Team nichts zu tun haben, so nach dem Motto – „Ihr müsst schon selbst damit klar kommen, macht das untereinander aus oder das geht mich nichts an,“ dann werden die Konflikte immer heftiger und entwickeln sich oft zu Machtkämpfen. Führungskräfte brauchen unbedingt Konfliktkompetenz, um das Team durch den Prozess zu führen. 

Wieso kommt es im Job häufig zu Konflikten?
Bei folgenden Themen kommt es oft zu Konflikten, wenn diese nicht geklärt sind, zum Beispiel: keine klare Aufgabendefinition, keine Vertretungsregelung, keine Zeit für Einschulungen, keine klaren Zuständigkeiten, Konkurrenzdenken, fehlende Einbindung bei Veränderungen, Umgang mit Fehlern, Ungerechtigkeiten, Bevorzugungen, uvm.

Wenn man Harmonie will, muss man sich Konflikten stellen!
Viele Menschen glauben, wenn sie etwas stört oder belastet, dies nicht ansprechen zu müssen und tun so als wäre alles in Ordnung.  So nach dem Motto - „Gras drüber wachsen lassen“ oder „ „weiß eh keiner was ich denke – gute Miene zu bösem Spiel!“ Leider funktioniert das nicht. Erst durch das Ansprechen und wirklich Abschließen einer Konfliktsituation, ist eine gute Zusammenarbeit und Harmonie im Team möglich.

Wie kann man einen Konflikt abschließen?
Abhaken, nicht nachtragend sein und immer wieder alte Geschichten aufwärmen, verzeihen und niemanden beschuldigen. Wirklich abschließen heißt – es ist passiert, man kann es nicht mehr ändern. Man sagt, wie es einem damit geht und was wichtig ist und man hat daraus gelernt und macht dies in Zukunft anders. Man kann auch die andere Sichtweise neben der eigenen stehen lassen.

Mit wem spricht man über einen Konflikt oder eine belastende Situation?
Sehr oft mit allen möglichen Menschen, nur nicht mit der Person die es betrifft. Das ist der einzige und richtige Weg, Klärung dort wo es hingehört. „Viele Köche verderben den Brei“ sagt ein Sprichwort – genauso ist es mit Konflikten – jeder hört und sagt etwas anderes und am Ende kommt eine ganz andere Geschichte heraus. Das ist sehr gefährlich. Also bitte, immer sofort mit der Person den Konflikt klären, die es betrifft. Nur das bringt etwas.

Wieso gibt es in Konfliktsituationen immer zwei Sichtweisen?
In Konfliktsituationen hat jeder aus seiner Sicht und Erfahrung Recht. Wenn man Recht haben will, dann kämpft man und will am Ende einen Schuldigen haben. Wenn man an einer Lösung interessiert ist, dann wird etwas Sinnvolles herauskommen und der Konflikt hat allen etwas gebracht.

Wieso nehmen wir in Streitsituationen etwas persönlich?
Weil es uns trifft, weil alte Wunden angesprochen werden oder weil wir anders gesehen werden wollen, als wir sind. Wenn wir etwas nicht persönlich nehmen, hätten wir keine Konflikte, sondern nur unterschiedliche Sichtweisen, die auch akzeptiert werden. 

Was bringt Konfliktkompetenz?
Konflikte sind als Chance zur Weiterentwicklung zu sehen. Führungskräfte die keine Angst vor Konflikten haben, an Lösungen interessiert sind und unterschiedliche Sichtweisen akzeptieren, ersparen sich sehr viel Ärger, Unruhe im Team und Fluktuation. 

Welche Erfahrungen mit Konfliktsituationen haben Sie bereits gemacht? 
Welche Konfliktsituationen waren besonders herausfordernd? 

Ich freue mich über Ihre Kommentare zu diesem Blog. 
Andrea Würzner
 

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